Hier wird die Einführung für beide bald fertiggestellten Bände über die Transparente Therapie eingefügt:
Obwohl
Band I und Band 2 unabhängig voneinander lesbar sind, bauen sie gleichzeitig
jeweils aufeinander auf. Band I schöpft aus den Gesetzmäßigkeiten, die sich von den in Band II
beschriebenen, tiefen Therapie- und Entwicklungsprozessen ableiten lassen.
Band II verweist wiederum auf Band I bei der Unterscheidung und Behandlung von
"spirituellen" und "psychischen" Depressionen. Da beide Bücher
in dieser Weise eng zusammenhängen, wird dieselbe Kurz-Einführung in die
Transparente Therapie jeweils vorangestellt.
Das
Wort "transparent" hat zwei Bedeutungen: Hinter den Therapieprozessen
der Transparenten Therapie scheinen, wie durch ein Transparentpapier hindurch, grundlegende Muster unseres
Menschseins. Dies ist die erste metaphorische Bedeutung. Band I beschäftigt
sich ausschließlich und explizit mit diesen „durchscheinenden“ grundlegenden
Mustern. Auch wenn es bei jedem Menschen in jeder Lebensphase den roten
Faden ganz individuell zu finden
gilt, offenbaren sich bei dieser systematischen Therapieform umfassendere und generelle Sinnzusammen-hänge.
Band
II umkreist die zweite Bedeutung der "Transparenz": Während der
Therapie ist immer klar oder wird geklärt, worauf hingearbeitet wird. Mögliche
Erfolgskriterien werden sowohl bewußt reflektiert als auch unbewußt abgefragt.
Damit wird die Zielrichtung der Therapie eine gemeinsame, der Therapeut muss
sich als guter Teampartner erweisen. Auch die Methoden dieses Therapieansatzes
sind transparent und in Band III Schritt für Schritt vor allem für Kollegen,
Auszubildende und Demo-Seminare dargelegt. Diese Anleitungen bewusst
mitzuverfolgen oder zu reflektieren ist für die meisten Klienten jedoch nicht
so interessant wie das Therapieergebnis.
Im
Sinne der oben angeführten unterschiedlichen Erfolgskriterien unterscheidet die
Transparente Therapie drei Ergebnistypen. Diese ergeben auch jeweils einen
unterschiedlichen Stil des Miteinanders zwischen Klient und Therapeut. Wenn die
angestrebte Synergie des Miteinanders scheitert und sich für den Klienten kein
subjektiver Fortschritts einstellt, ist dies nach den Werten der Transparenten
Therapie dem Therapeuten anzulasten. Der Therapeut hat sich auf den bewussten
und unbewussten Bedarf des Klienten einzustellen. Dieser Bedarf ist jeweils in
bestimmten Entwicklungs- oder Therapiephasen unterschiedlich. Zur Unterscheidung
der verschiedenen Ergebnistypen:
1.)
Das Erfolgskriterium mancher Klienten ist die Überprüfung,
ob sie sich durch die therapeutische Zuwendungen im Alltag gestärkt fühlen.
Wenn sich bei der Alltagsbewältigung etwas zum Guten wendet und sich dort
Symptome mildern, lohnt sich der Rückhalt beim Therapeuten. Für diese stabilisierende
Gesprächstherapie bietet die Transparente Therapie keine wirklich neuen
Methoden einer einfühlsamen und ermutigenden Vorgehensweise an. In diese
Richtung hat die heutige Psychotherapie bereits viel entwickelt (VT in
Kombination mit Gesprächstherapien, die sich auch am Nonverbalen orientieren).
Allerdings werden therapeutische Kriterien und testbare Faktoren für psychische
Instabilität fundiert erläutert. Damit kann gezielt auf eine Stabilisierung,
die dann auch aufdeckende Arbeit erlaubt, zugearbeitet werden.
2.)
Für die meisten Klienten - vor allem diejenigen, die
sich außerhalb des Kassensystems behandeln oder unterstützen lassen - ist das
Erfolgskriterium für die Therapie schlichtweg, ob sie sich am Ende der Sitzung
im Hinblick auf das mitgebrachte Problem besser fühlen. Inzwischen sind dafür
sehr viele gute prozeßorientierte Methoden entwickelt worden, die mittels
innerpsychischer Erforschung eines Problems in einem angenehmen oder gut erträglichen
Reisestil persönliche Integration bewirken. Die Reise bewegt sich - möglichst
flexibel auf Seiten des Therapeuten - durch alle menschlichen
Erlebnisdimensionen, welche in der Transparenten Therapie aufgeschlüsselt
werden. Das Erfolgskriterium der verbesserten Befindlichkeit am Ende der Sitzung
ist implizit meist selbstverständlich und definiert den Rahmen. Der Klient
arbeitet sich Schicht für Schicht durch die jeweils mitgebrachte Belastung
hindurch, solange ihn dies gefühlsmäßig weiterbringt. Innerhalb der
Transparenten Therapie findet diese "Spontantherapie" genauso
Anwendung - mit einigen Neuentwicklungen für die Paartherapie. Eine Vorbildung
in vielfältigen, prozessorientierten Methoden (NLP, POP, systemisches Arbeiten,
Focussing, Inquiry nach Almaas, Traumatechniken wie EMDR oder Wingwave usw.) ist
für die Ausbildung in Transparenter Therapie daher günstig.
3.)
Das dritte, wesentlich komplexere Erfolgskriterium, das
sich oft erst im Lauf der Therapie entwickelt,
ist ein konkreter Erfolg in (mindestens) einem bestimmten Beziehungskontext, der
sich auf tiefster Ebene sinnvoll anfühlt.
Dabei geht es nicht mehr um bloße Alltagsbewältigung, sondern um das Ausleben
der kühnsten Visionen und innersten Impulse. Die Lösungsebene kommt aus dem
Selbsterleben als Seele oder dem Mehr-als-Ich-Sein und ist eine völlig andere
als die Symptomebene. Mitgebrachte Probleme erscheinen nicht mehr als zentrales
Thema, sondern erledigen sich automatisch im Prozeß der Selbsttranszendenz. Die
Außenwelt, an die der oben benannte konkrete Erfolg gekoppelt ist, wird dabei
zum freudvoll erlebten Lernkontext für Selbstheilung. Dann kann der Therapeut
als Mentor verabschiedet werden. Auf dem Weg dahin kommen durch die Tiefe der
therapeutischen Mentorschaft auch Blockaden wesentlich systematischer zutage als
in der Spontantherapie oder stabilisierenden Gesprächstherapie. Mit Blockaden
sind dabei Therapieschäden, Dauergefühle, Menschenbild- und Weltbild-Einschränkungen,
Verstrickungen und (sog. "karmische") Sinnerfüllungs-Tabus gemeint.
Die Kontrolle zu deren vollständiger Auflösung ist in der Methodik dieser Art
des Ergebnistyps enthalten. Das methodische Inventar ist sehr umfangreich und
macht den größten Teil der Ausbildung in Transparenten Therapie aus. Für
diesen Therapiestil gibt es sowohl für Einzelklienten als auch für Paare
unterschiedliche Varianten: eine Kurzzeittherapie sowie eine Tiefentherapie mit
einem längeren Bogen zum Erfolg, der aber zeitlich grob abgeschätzt werden
kann.
Die
drei Erfolgstypen werden unabhängig voneinander als Option ausgelotet. Dies
bedeutet, dass sie nicht aufeinander aufbauen in dem Sinn, dass das Ich erst
stabilisiert werden muss durch Alltagsbestätigung und zunehmende Integration,
bevor dass Ich wieder transzendiert werden kann auf dem Weg zu einem
umfassenderen Sinnerleben. Die Transparente Therapie bietet ein differenziertes
Kontinuum zwischen Ich-Stärkung und Selbsttranszendenz. Sie berücksichtigt in
einem einheitlichen, in Band II geschilderten Prozeß sowohl die Ich-gesteuerten
Bedürfnisse nach mehr Lebensgestaltung und -kontrolle als auch das Ich
transzendierende Sehnsüchte der Sinnerfüllung jenseits einer Außen-Innenwelt-Dualität.
An
diesem Bedarf entlang entfaltet sich konsequent der gesamte Prozeß ohne weitere
Hilfestellungen für den Klienten über eine grundsätzliche Stabilisierung
hinaus. Dadurch vermeidet die Transparente Therapie sowohl weltanschauliche
Einmischung oder Interpretation als auch den Rückgriff auf spirituelle
Techniken. Alle in Band III geschilderten Techniken zur Auflösung von Blockaden
basieren auf eindeutigen Wahrnehmungskriterien des Klienten und Therapeuten.
Diese Tatsache wird deshalb an dieser Stelle so betont, weil heute der Einsatz
von spirituellen Techniken in der Psychotherapie immer üblicher wird. Dies kann
den Unterschied zwischen Psychotherapie als Dienstleistung und echter
spiritueller Anleitung mitunter verwischen, was oft zu subtilen schädlichen
Auswirkungen auf die psychische und spirituelle Gesundheit des Klienten führt
(vgl. Band I).
Wenn
es dem Klienten um die punktuell oder sogar generell immer ungeschminktere Beschäftigung
mit dem eigenen Sinnerleben geht, liefert die Transparente Therapie mit der
Arbeit am dritten Ergebnistyp ein zusätzliches, besonders tiefgreifendes
Angebot. Die Spontantherapie und die stabilisierenden Gesprächstherapie
behalten jedoch ihren klar definierten Platz im gesamten Ansatz. Durch Auswahl
und Kombination der Therapiestile kann der Klient seinem eigentlichen,
momentanen psychologischen Bedarf hinsichtlich des ganzen Spektrums seines
Menschseins gerecht werden. Das vorbehaltlose Eingehen auf diesen Bedarf ist
zentral für die Transparente Therapie. Sie bemüht sich um die Vollendung der
psychotherapeutischen Dienstleistung
durch eine möglichst ganzheitliche Kommunikation.